Michael Hofstetter, Kino Kino, 1998
Otto Schweins Galerie, Köln

 

Alice Koegel: Soll Kunst Spaß machen?
Michael Hofstetters Raumassemblage "Kino Kino"


Es ist naheliegend, in der Galerie Otto Schweins das gegenüberliegende Broadway zu reflektieren. Der in München lebende Künstler Michael Hofstetter (Jahrgang 1961) spiegelt und fixiert das Kino, Ort der bewegten Bilder und fiktionaler Realitäten, mit Hilfe der Camera obscura-Technik im Galerieraum, Ort der Beobachtung und Präsentation.


Mit der »black box « der Kamera projiziert er den Außenraum in den »white cube« des Ausstellungsraums - auf den Kopf gestellt, ins Negativ gekehrt, im Tapetenformat. Abgelichtet wird Statisches. Augenblicksmomente und Bewegung entgehen der Abbildung. Haften bleibt ein gegenüber der Wirklichkeit verschobenes fragmentiertes Bild eigener Realität. Schon der Ausstellungstitel »Kino Kino« verweist auf die Ebene von Spiegelung, auf das Verhältnis von Bild und Abbild und das Verwirrspiel von Fiktionalität und Realität. Auch »Castmember«, eine an Filmstreifen erinnernde Wandarbeit in Hofstetters Raumassemblage, thematisiert die Verwandlung erlebter in eine geschaute Welt.


72 Schwarz- Weiß-Fotokopien konfrontieren den Betrachter mit der Frage nach eigener Erwartungshaltung und Erlebnissehnsucht: Liebe - Sinn - Heil- Trost - Protest - Spaß. Was hier fragmentarisch ebenso wie kontextuell gelesen werden kann, verdichtet sich in zwei Videobändern zu Hofstetters » Manifesten«, die zeitgleich in animierten Einzelclips und kafkaeskem Voice-over an die Grenzen simultaner Wahrnehmungsfähigkeit rühren. Über geometrisch-dekorativen Bildanimationen umkreisen Lichtpunkte Begrifflichkeiten des Betriebssystems Kunst, Rahmenbedingungen der Kunstproduktion und -rezeption und die Rolle des Künstlers - auch die seines eigenen Mythos. Hier spiegelt sich mediale Fiktionalisierung von Wirklichkeit, wenn Bilder scheinbar beliebig mit Begriffen verknüpft werden. So blenden Schlagworte wie "privat" und "öffentlich" ineinander. Das Hermetische der kontextbezogenen und kontextreflexiven Arbeiten öffnet sich als Projektionsfläche für den Betrachter. Für Hofstetter geraten seine Arbeiten zu " Attrappen" von an ihnen "selbst festzumachenden (möglichen) Diskursen oder an ihnen zu habenden Spaß". Ob der fiktive öffentliche Diskurs "Soll Kunst Spaß machen ?" umschlägt in empfundenen Genuß, ist nicht zuletzt eine Frage nach der Funktion von Bildern und der eigenen Betrachtung. Unterbrochen und überlagert werden die Wandarbeiten Hofstetters von Aquarellen und Cibachromen, die gleichsam die Medienrealität und die Beziehung des Subjekts zur Welt vor Augen führen - wie die in "Channel 4" aus dem fahrenden Zug wahrgenommene Landschaft. Sie schließt den Betrachter nicht mehr ein, sondern ist nur noch Kulisse und Teil seiner Lebensinszenierung. Bilder - ob auf der Kinoleinwand oder im Galerieraum - können sich in wenigen Stunden verflüchtigen. Nachwirkung ist freilich nicht ausgeschlossen. Zeit verlangt indes die Betrachtung von Hofstetters Raumassemblage.

Stadtrevue 6/98

CHANNELFOUR

Channel 4

1995
Ilfochrome in Leuchtkasten
50 cm 50 cm x 10 cm