Michael Hofstetter, Revers, 2014

 

Jedes Buch erstarrt in der werbenden Zusammenfassung, welche gewöhnlich auf dem Schutzumschlag zu finden ist. Deshalb ist Klappentext des Buches "Zola.rêve sans nom" von Cyrille Comnène Ausgangspunkt einer künstlerischen Intervention von Michael Hofstetter. Hier an der größten Sichtbarkeit erblindet der Text des Buches in und durch seine anpreisende Komprimierung – sowie einst das Leben erstarrt und erblindet ist im Text des Buches. Diese Dialektik zwischen Erscheinen und Erblinden, sowie zwischen Erstarrung und Verflüssigung im und durch den Text umkreist Michael Hofstetter mit seinem künstlerischen Eingriff "Revers".

Hofstetter übersetzt den Klappentext in Blindenschrift und radikalisiert auf diese Weise den Abstraktionsgrad der Schrift auf ihre Grundelemente von 0 und 1. Den Text in Brailleschrift layoutet er auf das Format des Buches selbst. Es entsteht ein grafisches Textbild im Punktraster. Die Punkte dieses Rasters sind für Hofstetter die Möglichkeitsstellen für seinen Eingriff.

Nun sticht Hofstetter auf jeder Seite des Buches mit der Nadel einer Spritze in das Papier der geschlossenen Druckbögens und spritzt farbige Tinte unter die Haut des Buches. Die Einspritzstellen sind auch immer Worte, die mit Wasser oder/und Frauen zu tun haben. Denn Wasserfrauen sind die Protagonisten des Buches. Die ausfransenden Farbinseln löschen teilweise den Text und öffnen ihn wieder ins Unlesbare. Auf den Farbinseln erscheint die weißgedruckte Brailleschrift. In dieser Gegenläufigkeit von Verschwinden und Erscheinen bearbeitet Hofstetter jede Seite zweimal. Entlang eines zwölfteiligen Farbkreises geht er die 14 Seiten durch. Dadurch entstehen Verschiebungen im Farbakkord, die eine Dissonanz erzeugen.