Michael Hofstetter

"Kunst und Mode", Manifest 1997


Im Jetzt finalisiert sich die Vergangenheit, bzw das Fiktive zur wirksamsten Wirklichkeit ohne das diese Wirklichkeit etwas mit der alltäglichen Wirklichkeit der Rezipienten zu tun haben muß. Mode ist Jetzt. Absolute Gegenwart weder reflektiert sie die Vergangenheit noch weist Sie in eine Möglichkeitzukunft. Ihre Verheißung, ihre Zukunft also mögliche Referenz auf was Kommendes ist schon eingelöst in der Mode selbst. Ihre präsentische Präsenz spielt sich nicht in weißen Exklusivräumen ab und wird nicht nur von ein paar Eingeweihten angenommen sondern ist überall. Obwohl sie finalisierte Fiktion ist, ist sie auch verbunden mit Welt durch die Distribution der Produkte an der und durch die sie entsteht und dem akkumulierterten Kapital das hinter ihr steht. Die Produkte und das Kapital bilden die räumliche Klammer einer an sich ortlosen Präsenz im Jetzt, der Mode. Beide Produkt und Kapital sind die Pole an denen sich die Mode als real realisiert und nicht fiktive Realität bleibt. Dieses hier skizzierte Paradoxon von fiktiver Realität und realer Realität als eine Strategie wie sich Visualisierungen an Welt rückbinden lassen ohne, das sie diese abbilden oder ihr opponieren, sondern sich gleichzeitig zu ihr gleichgültig hinsichtlich ihres Abbildungsverhältnisses und gleich gültig als möglicher Tauschwert verhalten war für die bildende Kunst die Rettung in den Neunziger Jahren. Das Modewort ›Crossover‹ ist letztlich der Ausdruck einer Selbstbegründungskrise der Kunst. Weder eine kohärente Vergangenheit noch eine utopische Zukunft standen Anfang der neunziger zur Verfügung. Weder wollte man visuell eine Gegenwelt aufzeigen wie in den sechziger Jahren, einer Affirmationsstrategie nachgehen wie in den siebziger noch die Kunst als Ware thematisieren wie in den achtziger Jahren. Als Möglichkeit blieb die Strategie der Mode und Werbung eine radikale Finalisierung des Fiktiven bei gleichzeitiger Koppelung an reale Prozesse des Konsum bzw des Kapitals. Teilweise flüchteten die Künstler auch in die Wissenschaft, weil dort ein ähnliches Nebeneinander von Fiktivem des Forschens und realem Kapitalinteresse herrscht.