Mapping Los Angeles (white) interior (black, asian, hispanic) exterior, 2000

Booster (editet Version), 2005

Michael Hofstetter: Booster, 1999 - 2000, Ein Modell für eine urbane Unbehausung, Konzept

 

"Booster" ist der Werktitel einer Installation, die sich mit dem Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit, Außen und Innen nicht im Sinne einer formalen Zuschreibung, sondern mit der Aufhebung dieser Gegensätze auseinandersetzt und dabei nach der Möglichkeit von politischer, sozialer und ästhetischer Aufklärung fragt. Die konzeptuellen Grundlinien dieser Installation wurden während eines sechsmonatigen Aufenthaltes in Los Angeles entwickelt.


Los Angeles' städtebauliche Struktur, die binnenräumliche Organisation und Separation der verschiedenen "Rassen", der Rückzug von Reichtum in wehrhafte gated communities bzw. gated neighborhoods, die Erschließung der umgebenden Natur sowie umgekehrt die Gefährdung von domestiziertem Grund durch die Natur et cetera, hat, was die Zerstörung des öffentlichen Raumes angeht, modellhaften Charakter. In Los Angeles stehen nicht wie in einer europäischen Stadt öffentliches Leben gegenüber Privatleben, öffentlicher Raum gegenüber privatem Raum, Begegnung, Diskussion und öffentliches Interesse gegenüber Rückzug, Kontemplation und Familie. Das Öffentliche hat keine eigene Qualität, sondern ist das (noch) nicht Privatisierte. Die Verhinderung von Öffentlichkeit durch eine ursupatorische Privatisierung aller Lebensbereiche einschließlich von Natur, läßt politische, soziale und ästhetische Fragen zur Meinungssache des Subjekts werden. Das Politische, Soziale und Ästhetische – eben jegliches Außen – verschwindet zugunsten privater Ideologien.


Die Installation verschachtelt ein fiktives Stadtlandschaftsmodell mit einem Hausfragment. In dieses Hybrid aus Außenmodell und Inneneinrichtung werden verschiedenste Materialien, Repräsentationsformen und Abbildungsverfahren montiert. Dabei gehen realräumliche Inszenierungen in illusionräumliche über. Die Modellandschaft setzt sich fort in Fotografien und Diaprojektionen. Abbildungsmaßstäbe und Abstraktionsebenen werden ständig gebrochen. Armorphe Formen konkurrieren mit verschiedensten Rastern.


"Booster" setzt sich mit der Subjektivierung der Wirklichkeit auseinander. In dem sie Malerei, Objekt, Zeichnung, Tapete, Fotografie, Leuchtkasten, Diaprojektion gleichwertig nebeneinander ausstellt, stellt die Installlation das Künstlersubjekt in Frage. Weder hinsichtlich eines charakteristischen Stils, einer ausgeprägten Handschrift, der wiederholten Verwendung eines Materials, der Einhaltung eines durchgängigen Maßstabes oder eines kohärenten Abstraktionslevels läßt sich die Installation auf der ersten Ebene der Betrachtung auf ein das Ganze aus sich entlassende Subjekt zurückführen. Diese In-Frage-Stellung eines Künstlersubjekts, das sich in den letzten Jahren zunehmend als paradigmatische Instanz an die Stelle zerstörter objektiver Kriterien setzt und für die verlorene Übersicht der Welt einzig verbleibene Kategorie zu sein scheint, zielt auf das Subjekt schlechthin. Konsequenterweise negiert die Installation nicht nur durch die Multiplikation verschiedenster künstlerischer Handschriften das Produktions-subjekt, sondern auch das Rezeptionssubjekt. Die Innen-Außen-Innen Schachtelung und die unterschiedliche Maßstäblichkeit der einzelnen Elemente in der Ausstellung verhindern einen festen Standort und ein einheitliches Bezugnehmen des Betrachters. Nur in einer zweiten, analytischen Betrachtungsweise, welche die Konstruiertheit und die Konstruktion der einzelnen Elemente nachvollzieht, ergibt sich ein Ausweg aus der inszenierten Unübersichtlichkeit.
Indem die Installation "Booster" alle Repräsentationsmittel und Maßstäbe gleichwertig in einer Innen-Außen-Innen Schachtelung vorführt und damit sowohl den ideologischen Stand- wie Fluchtpunkt von Produzent und Rezipient in Frage stellt, sucht die Installation nach objektiven Kriterien von Über-die-Kunst-sprechen als Über-die-Welt-sprechen.

Michael Hofstetter, 2000