THE WAR®

Eine Installation von Rudolf Herz und Michael Hofstetter im Kunstverein Kassel im Rahmen der Ausstellung ZIPP vom 21. Juni 2002 bis 26. Juli 2002

Die militärischen Operationen der USA tragen Namen, die im Umfeld von Mythos und Natur angesiedelt sind. Derartige Namensgebungen gehen auf den englischen Premierminister Winston Churchill zurück, der die Problematik der Vermittlung von Kriegen in demokratischen Gesellschaften erkannte.

Herz und Hofstetter ermittelten mehr als 100 militärische Operationen der amerikanischen Armee nach dem Zweiten Weltkrieg. Davon wurden 25 ausgewählt, die kriegerische Handlungen beinhalten; alphabetisch angeordnet bilden sie das Ausgangsmaterial der Installation THE WAR®.

Die Namen von Militäroperationen wie "Cobalt Flash" oder "Silent Promise" sind vor dem Hintergrund der Schrecken jeden Krieges zynische Kommentare. Sie sind Promotion-Maßnahmen zur Herstellung von Akzeptanz in der (in diesem Fall amerikanischen) Bevölkerung und den Medien.

Die Kluft zwischen den Namen und dem wirklichen Krieg wird in THE WAR® dadurch vergrößert, daß die Poetisierung auf der Ebene der Semantik durch die Transformation von Buchstaben in Pictogramme auf der Ebene der Gestaltung weitergeführt wird. Die Pictogramme stammen aus dem Zeichensatz "Wingdings", der weltweit zur Standardausrüstung jeden Computers gehört.

Die Namen der Kriege – in "Windings"-Bilder formatiert und versehen mit einer Unterzeile die Einsatzland und Einsatzdauer bezeichnen – werden als umlaufendes Band an die Wände des Kunstvereins tapeziert. Diese Wandarbeit zeichnet die Leibungen und Ausbuchtungen des Raumes mimetisch nach und erstellt so einen Bezugsrahmen für gegenwärtige Kunst.

THE WAR® als ästhetische Reihung von Pictogrammen reflektiert nicht nur die Verlagerung der Wirklichkeit auf die Zeichenebene, sondern nimmt auch in ihrer Formensprache das Vokabular zeitgenössischer Tendenzen privatistischer Kunstproduktion auf. Diese erscheint vor dem Hintergrund einer realen Politik der Koppelung von Kapital, Expansion und Krieg. Im Schatten dieser weltweiten Strategie der Verbreitung von Demokratie und der Durchsetzung einer globalen Logik des Kapitals entstehen politische, soziologische und kulturelle Probleme. Die künstlerische Auseinandersetzung mit ihnen steht im Zentrum der aktuellen documenta und ihrer Plattformen.

Indem THE WAR® einen entscheidenden Ausgangspunkt dieser Situation definiert, schafft die Installation eine Folie, vor der die documenta – auch kritisch – gelesen werden kann.