Michael Hofstetter
von oben wird die Erde lesbar, 1999


Ideenwettbewerb Bornstedter Feld, Bundesgartenschau, Potsdam

 



von oben wird die erde lesbar besteht aus 14 ausgemauerten Erdlöchern, die in der Aufsicht das Wort POLEMOS (griech. Krieg, Kampf, Streit) schreiben. Die Übersetzung des Wortes in Erdlochformen wurde aus dem Schrifttyp Teletext entwickelt. Diese Schrift ist keine Druckerschrift und hält sich nicht an typografische Gesetze, bietet daher die Möglichkeit eines völlig freien Umgangs. Der Aufbau des Schriftzuges folgt rhythmisch-strukturellen Überlegungen; das zugrundeliegende Gestaltungsprinzip prägen Wiederholung und Störung.

Das gemauerte POLEMOS erstreckt sich über eine Länge von 37 m und einer Breite von 5,20 m. Die Gruben sind 2,10 m tief, ihre Seitenwände werden mit Sandkalkstein hochgemauert. Aus Sicherheitsgründen ragen die Wände 90 cm über das Erdniveau hinaus. Die Wandoberkanten bleiben unverputzt und ohne Abschluß. An den Innenseiten sind die Wände weiß gekalkt. Den Boden des Erdlochs bildet eine Schicht aus Kieselschotter.


Nach der Bundesgartenschau steht die Installation als offene Form zur Erprobung jugendlichen Mutes zur Verfügung, ohne explizit als Spielgerät ausgewiesen zu sein. Etwaige „mißbräuchliche“ Nutzung als Abfallcontainer oder Sprayuntergrund ist dabei einkalkuliert. Über die Jahre hinweg wird so eine Gesellschaftssedimentierung entstehen, die die im Begriff Polemos angelegte Problematik aktualisiert .