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Helmut Friedel
Sublim
Der große Ausstellungsraum im Erdgeschoß des Lenbachhauses
- einst diente er als Remise für die Kutschen Franz von Lenbachs
- besitzt noch immer das große Tor zur Aus- und Einfahrt. Dieses
Tor in Eichenholz nachgebaut, mit exakt der gleichen Gliederung und Täfelung,
versetzt Michael Hofstetter in die Raummitte und schneidet in dieses Portal
die rechteckige Fläche der Türöffnung, die zu den Ausstellungsräumen
führt. Im Tor durchschneiden sich hier die Formen in der Raummitte
bar ihrer eigentlichen Funktion. Durch das Aufstellen der Tür- und
Torformen im Raum fällt dieser in eine Ebene zusammen, begräbt
unter sich die beiden Schwellen, die man überschreiten kann, um ihn
zu betreten und hebt somit den Raum ins Bild auf. Umrundet man diese große,
mächtige skulpturale Barriere im Raum, sieht man auf eine kupferbeschlagene
Fläche. Mit dem Kupfer wird das Material wiederholt, mit dem auch
das Außenportal beschlagen ist. Mit der darauf stattfindenden Plakatierung
wird der Außenbereich in den Innenbereich übertragen, das Türmotiv
wird zur Plakatwand. Auf dem Plakat, das, im Rapport geklebt, mehrfach
erscheint, wird dieser Raum vorgestellt, wobei die Wände des Raumes
vollständig mit Texten überzogen sind. Vor dieser Text/Bildinstallation
finden Modeaufnahmen statt. Zugleich erscheint der Text, als Versuch einer
Wiedergewinnung von Wirklichkeit durch die Multiplikation fiktionaler
Strategien, mit der Ankündigung eines Symposiums im Lenbachhaus,
das nach Auskunft dieses Plakates unmittelbar vor der Eröffnung der
Ausstellung stattgefunden haben soll. Die Texte, mit denen die Wand überzogen
ist, sind Auszüge der Äusserungen von Künstlern, die in
einem Buch "Wegweiser - Kunst für München im öffentlichen
Raum 1972-1997" veröffentlicht wurden. Diese Äusserungen,
die sich mit ihren Bildwerken um möglichst dauerhaft gültige
Aussagen bemühen und dies auch in ihren Texten begründen, werden
von Michael Hofstetter dem Bild von Mode - dem vorübergehenden Event
und der Äußerlichkeit von Kleidung - gegenübergestellt.
In der tatsächlichen Ausstellung war von diesem Eingriff allerdings
ebensowenig zu sehen wie von der Modeperformance, die zum Zwecke der Aufnahme
stattgefunden hatte. Nur das Plakat liefert den Einblick in zurückliegende
Präsenz. Auf diese Weise werden zeitlich sehr unterschiedlich angelegte
Strategien auf eine Ebene gebracht, ohne miteinander zu verschmelzen oder
gar eine sinnfällige Beziehung einzugehen. So wird in dieser Präsentation
von Hofstetter in sublimer Weise eine Fülle von Informationen auf
die relativ kleine Fläche des Plakates verdichtet, des Plakates,
das temporär, fragil und vergänglich erscheint. Michael Hofstetter
bringt in diese Installation "Schwelle" die Gedanken von Skulptur
und Raum, von Dauer und Vergänglichkeit, vom Anspruch der Kunst und
dem Auftreten der Mode, von Körperlichkeit und Fläche, von Gegenwart
und Vergangenheit zusammen und eröffnet so ein Denkspiel, das über
den realen Gegenstand zur Reflexionsebene über die Funktion vom Bild
in unserer Zeit führt.
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