1997_07_Substitute_L_Green_Red_2

 

Michael Hofstetter, Substitute L (Model Green/Red),
144,8 x 114 x 114 cm; pickeld wood

1997_06_Substitut_LimbaNussbaum1997_Substitut_Prototyp

 

 

Die dreiteilige Skulptur "Das Substitut" – welche nichts anderes ist als die räumliche Formierung der Wörter "An", "Stelle", "Von" – thematisiert nicht nur den Verlust konkreter Dinglichkeit zugunsten symbolischer Dinglichkeit, sondern auch den Verlust des Ortes und der Zeit.

Die drei Wörter "An – Stelle – Von" bewerten die dingliche Präsenz der Skulptur so, wie die Zahlen auf dem Geldschein oder der Münze das Trägermaterial bewertet. Während aber beim Geld die aufgedruckten Bezeichnungen gemeinhin eine Erhöhung der Wertigkeit vornehmen, entwerten die drei Worte "An – Stelle – Von" das Skulpturale.

Kunstwerke manifestieren immer einen bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Sie machen beides zu einem konkreten Ereignis. Die Semantik der Wortfolge "An – Stelle – Von" transformiert die konkreten Holzkuben in Platzhalter, die zu jeder Zeit an jedem Ort funktionieren. Sie sind Träger einer Erfahrung des Verlustes substanzieller Erfahrung und Auseinandersetzung. Sie sind Attrappen eines rituellen Umgangs mit Kunst, bei dem das gesellschaftliche Drumherum immer mehr an die Stelle einer ästhetischen Auseinandersetzung mit dem Werk tritt. Der dinglich skulpturale Wert wird durch die Wörter als Ersatz für etwas anderes ausgegeben. (Beim Geld ist es nicht das Dingliche, sondern die numerische Zahl, die die Ersatzfunktion bildet.)

Der Wert der Dinge erhöht sich je nach Möglichkeit ihrer symbolischen Aufladung durch ihre Benutzer oder Betrachter. Sie müssen, um wertvoll zu werden, eine hohe "Anschlußfähigkeit" besitzen, um innerhalb aller Kulturen und Biografien etwas bedeuten zu können. Je weniger etwas selbst bedeutet, je mehr es alles Spezifische eliminiert hat, um so wertvoller kann es werden. Indem die drei Wörter "An – Stelle – Von" das So-Sein, das Konkrete der Skulptur "überschreiben", öffnen sie die Skulptur für Projektionen seitens Dritter. Die Skulptur vollführt und reflektiert gleichzeitig einen Umgang mit Kunst, in dem spezifisch ästhetische zugunsten gesellschaftlicher Funktionen immer mehr verloren gehen oder, ganz lapidar gesagt, in dem das Vorhandene durch das Gewünschte ersetzt wird. "Das Substitut" folgt Michael Hofstetters 13. Manifest der Computeranimation: "Was soll ich tun?". Dort ist zu lesen: "An die Stelle einer ästhetischen Werthierachie der jeweiligen Kunstwerke setzte sich eine soziale Hierarchie der an dem Kunstbetrieb beteiligten Gruppen".

 

Dr. Shiva Lachen 2005